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Dr. Maria Schaumayer Stiftung

Stiftung zur Förderung von Frauenkarrieren

Wer war Frau Nationalbankpräsidentin Dkfm. Dr. Maria Schaumayer?

Maria Schaumayer wurde am 07. 10. 1931 in Graz geboren.
Die Mutter der Stifterin war Lehrerin, der Vater Absolvent der Hochschule für Bodenkultur und Direktor der Obst- und Weinbauschule Silberberg bei Leibnitz.

1937 trat Maria Schaumayer in die Volksschule Frauenberg ein.
Schon 1938 wurde der Vater wegen politischer Unzuverlässigkeit als Direktor der Weinbauschule durch das NS-Regime ohne Bezüge enthoben und politisch verfolgt. Man zog in die Schulstadt Fürstenfeld. 1939 erfolgte der Ausbruch des 2. Weltkrieges.

Die Kriegsjahre waren für Maria Schaumayer schrecklich. Sie kam nicht nur mit den Kriegswirren, verminten Gebieten und Tierkadavern auf den Feldern in Berührung, sondern auch mit den Zwangsarbeitern verschiedenster Nationalitäten, Elendsgestalten, denen der Hunger ins Gesicht geschrieben war und die ihr Mitgefühl weckten. Rund 60 Jahre später löste sie als Regierungsbeauftragte die Frage der Zwangsarbeiterentschädigung.

Ab 1939 war die Mutter, die vorher aufgrund des Doppelverdienergesetzes zwangspensioniert war, wiederum als Lehrerin tätig. Maria Schaumayer war daher sehr viel auf sich selbst gestellt. Der Vater war im Kriegsdienst bzw. anschließend in russischer Gefangenschaft.

1949 maturierte Maria Schaumayer mit Auszeichnung am Gymnasium in Fürstenfeld; ursprünglich strebte sie das Lehramt in Latein und Mathematik an. Die Studienberatung riet ihr davon ab, da kaum freie Lehrstellen für diese Kombination in Sicht waren.

Als 1952 Maria Schaumayer die Hochschule für Welthandel mit dem Titel Diplomkaufmann, ebenfalls mit Auszeichnung abschloss, konnte sie ihre Liebe zur Mathematik und zu Sprachen vereinen. Maria Schaumayer bezeichnete die Wahl dieses Studiums als Glücksfall. Wörtlich sagte sie anlässlich der Verleihung des Siemens Live Award 2004: "Ich kann mir nämlich kein erfüllteres, kein glücklicheres Leben vorstellen als das, das mir vom lieben Gott zuteil wurde".

In Innsbruck studierte sie bis 1954 auf der juridischen Fakultät Welthandel und schloss in schnellstmöglicher Zeit mit dem "doctor rerum oeconomicarum" ab.
Nach dem Studium war sie kurz bei den AGA-Werken, sodann in der CA beschäftigt.

In der CA erhielt sie als erste Frau eine Managerausbildung. Als sie kurze Zeit später den Chef der Organisationsabteilung fragte, wann sie denn die Prokura bekäme, antwortete dieser: "Wenn überhaupt, vielleicht in 10 Jahren". Für die Männer der damaligen Zeit war es unvorstellbar, dass Frauen Spitzenpositionen erlangen könnten. Das war natürlich für die ehrgeizige und auf Durchsetzung von Reformen bedachte Dr. Maria Schaumayer wohl zu wenig. Kurz darauf kam ein Angebot aus der Politik und war es glückliche Fügung, dass sie in den Wiener Gemeinderat einzog und 10 Monate später zur Stadträtin, zuständig für städtische Unternehmen, und zum Mitglied der Wiener Landesregierung gewählt wurde.

In dieser Zeit konnte sie sich auf Grund ihrer Kompetenz und ihres pädagogischen Talents profilieren und auch den politischen Gegner für die Umsetzung ihrer Ideen überzeugen: Es wurde unter anderem der schaffnerlose Betrieb der Autobusse und Straßenbahnen und der Vorverkauf in Trafiken, etc., die Umstellung von Erdgas auf Stadtgas, Stromjahresabrechnung und Einsparung der Gas/Stromkassiere politisch von ihr durchgesetzt und gesetzlich geregelt.

In dieser Funktion war sie bis 1969 tätig; danach war sie amtsführende Stadträtin für baubehördliche und sonstige technische Angelegenheiten bis 1973; verwirklicht wurde damals u. a. die Einbahnführung des Rings, Einrichtung der Verkehrsleitzentrale, Funksteuerung der städtischen Uhren, Modernisierung der Friedhöfe, um nur einige Beispiele zu nennen. Alle diese Reformen haben bis heute gehalten.

Von 1973 bis 1982 war Dr. Schaumayer als Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin maßgeblich an der Gründung der Wr. Holding und im Aufsichtsrat derselben sowie in Aufsichtsräten der Ennskraftwerke zwecks Vertretung der Wiener Interessen tätig, auch war sie beispielsweise Stv. Vorsitzende des Kontrollausschusses, gleichzeitig war sie von 1974-1982 Vorstandsmitglied der österr. KommunalkreditAG.

Von 1982-1989 wurde sie Vorstandsmitglied und Finanzchefin in der ÖMV und war für die Teilprivatisierung über die Börse maßgeblich verantwortlich. 1989 ging sie erstmals in den Ruhestand als i.R. abgekürzt – was Dr. Schaumayer in der Folge als "in Reichweite" interpretierte, wurde sie doch wiederholt aus dem Ruhestand in das aktive Berufsleben zurückgeholt.

Am 1.Juli 1990 folgte Dr. Maria Schaumayer dem plötzlich verstorbenen Präsidenten der österreichischen Nationalbank Dr. H. Klauhs, aus der Pension zurückgeholt, nach. Sie war weltweit die erste Frau in der Funktion einer Nationalbankpräsidentin.

Zu ihrem 60. Geburtstag 1991 hat sie die Dr. Maria Schaumayer Stiftung gegründet, mit dem Ziel, die gläserne Decke zu durchstoßen und in der Öffentlichkeit das Bewusstsein zu schaffen, dass Frauen die Möglichkeit gegeben werde in Führungspositionen zu gelangen. Insbesondere durch Aufbau eines eigenen Netzwerkes sollten sie einander fördern - denn ohne Förderung, das war der Stifterin klar, war und ist ein Karriereaufbau kaum möglich. Sie war Verfechterin einer partnerschaftlichen Gesellschaft und bevorzugte gemischte Netzwerke, da sie diese für lebensnäher und Erfolg versprechender hielt als "Ghetto"Netzwerke. Der Kampf mit der "Hellebarde" war nicht der ihre, sie war lange Zeit gegen eine Quotenregelung für Frauen, da sie diese als frauenabwertend betrachtete. In den letzten Jahren änderte sie ihren Standpunkt, da den Frauen weiterhin Spitzenpositionen überproportional versagt wurden.

Am 1. Juni 1995 verzichtete sie auf eine weitere Kandidatur als Nationalbankpräsidentin.

Dr. Maria Schaumayer war bereits 5 Jahre in Pension, als noch einmal der Ruf der Republik an sie erging, um als Regierungsbeauftragte die Entschädigung überlebender Zwangsarbeiter für Österreich abzuschließen. Es gab erstmals Sammelklagen. Dr. Maria Schaumayer nahm diese Einladung Bundeskanzlers Schüssels als Ehrenamt an, um der Republik Österreich noch einmal ihren Dank abzustatten, dass ihr "dieses Land so große Möglichkeiten in ihrem Leben geboten hat".

Hohe Fachkompetenz, politischer Spürsinn, Charme in Verbindung auch mit Härte, wenn diese sachlich erforderlich war, prägten ihre Verhandlungsführung. Mit unglaublichem Verhandlungsgeschick führte sie die Verhandlungen innerhalb von knapp 10 Monaten mit dem amerikanischem Chefverhandler Stuart Eizenstat zu Ende, die den Zwangsarbeitern in kürzester Zeit Geld und Österreich Rechtsfrieden brachte.

Dr. Maria Schaumayer sagte später, zweimal habe sie in ihrer Berufslaufbahn Herzklopfen gehabt: vor ihrer ersten Begegnung mit den Notenbank Gouverneuren aus aller Welt – und vor dem ersten Zusammentreffen mit Eizenstat: "Da hat die ganze Republik in meinen Knien gezittert".

Eizenstat soll später gesagt haben, Schaumayer sei wie eine Großmutter gewesen, aber „mit aller Härte bei Gesprächen. "Schaumayer war für mich das Nächste zu einer Heiligen. Ein wunderbarer, warmherziger Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten"

Schaumayer:
"Humanitär war die Lösung der Zwangsarbeiterfrage die größte Befriedigung, etwas zur Linderung menschlichen Leidens, zu einer Befriedung, zu einer Versöhnung beigetragen zu haben".

2012 arbeitete Frau Dr. Schaumayer noch für die ÖVP den Verhaltenskodex aus. Ihre Wertvorstellungen bezog sie aus ihrem Elternhaus. Zitat: "Gesinnung und Anstand, die Kardinaltugenden des Lebens, sowie der Versuch Maßlosigkeiten in den Ansprüchen und im Fordern hintan zu halten, darüber hinaus bin ich überzeugte Katholikin!"

Vorgesehen war sie für die höchsten Staatsämter, zweimal wurde sie gebeten, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, einmal wurde ihr die Funktion des Bundeskanzlers angetragen – sie hat aus der inneren Überzeugung, die Ämter entsprächen nicht ihrem Lebensentwurf bzw. sei sie zu alt dafür, abgelehnt.

Das Geheimnis dieser über alle Parteigrenzen wertgeschätzten, ungewöhnlichen, wunderbaren Dame lag in einer geradezu idealen Kombination vernunftgesteuerten Denkens, verknüpft mit emotionaler Intelligenz, Verständnis, Humor und Selbstironie. Sie war von Intuition, Inspiration und Spiritualität, resultierend aus ihrer tiefen Gläubigkeit heraus, geleitet.

In Demut und Bescheidenheit hat sie bis zu ihrem Tod gelebt. Mit folgendem Abschiedsgruss hat sie uns am 23.1.2013 verlassen.

"Ich danke Gott für mein reich erfülltes Leben und allen Menschen, die mich mit Liebe, Sympathie und Verständnis begleiteten".

em. RA Dr. Helga Wagner
Vorstandvorsitzende der Dr. Maria Schaumayer Stiftung

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